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Dienstag, 11 Dezember 2018 14:21

Alumni vorgestellt: Und Sebastian, was machst du so?

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Foto: Sandro Jödicke | whitedesk Foto: Sandro Jödicke | whitedesk

Wie wird man als sogenannter „Vollstawist“, also als klassischer Geisteswissenschaftler, Gründer eines eigenen Fahrradladens in Erfurt? Indem man feststellt, dass es in Erfurt und Umgebung keinen Laden gibt, der außer auf Produktverkauf auch auf die Erfüllung des individuellen Nutzens ausgerichtet ist und dann diesen Mangel durch die eigene Gründung behebt. So hat es zumindest unser Alumnus Sebastian gemacht, der nach zwei Projekten in Selbstständigkeit nun seinen Laden „RADgeber“ in Erfurt eröffnet hat und Menschen mithilfe von „bikefitting“ wieder zu mehr Spaß beim Radeln verhilft. Wir haben ihn für unsere Reihe "Was machst du so?" u.a. gefragt, wie geisteswissenschaftliches Studium und Gründen zusammenpassen.

Wie bist du damals auf Erfurt und die Universität aufmerksam geworden?

Es gab damals noch einen gedruckten Studienführer, in dem die Uni mit Staatswissenschaften das erste Mal und mit ganz guten Noten vertreten war. Ich wollte unbedingt an einer Campus-Uni und eigentlich in Konstanz am Bodensee VWL studieren, wegen der vielen Sonnentage und des kurzen Wegs in die Alpen. Im Juni 2005 bin ich jedoch einfach mal über den Campus der Uni Erfurt gelaufen, um mir die Uni etwas näher anzuschauen – mit gehörigem Respekt. Damals war ich noch Azubi und für den Zugang zum Internet benötigte man 56K-Modems. Bei der Suche nach einer Wohnung allerdings kam das Studentenwerk Konstanz „nicht aus dem Quark“. Das war in Erfurt anders. Deshalb entschied ich mich dann kurzerhand doch für das Studium in Erfurt.

Würdest du dich wieder für die Uni Erfurt entscheiden? Und wenn ja, warum?

Das ist schwer zu sagen, schließlich sind die Voraussetzungen heute gänzlich anders, die Informationsmöglichkeiten ebenfalls und ich kenne mich heute deutlich besser (aus) als damals 2005.

Wie hat dich die Universität auf das Berufsleben vorbereitet und welche Studieninhalte kannst du jetzt im Beruf anwenden?

Gute Frage. Auf der einen Seite hatten wir das Studium Fundamentale, was ich toll fand, um einfach mal aus dem normalen Fachleben auszubrechen. Was ich nur jedem empfehlen kann. Auf der anderen Seite fehlten die Kontakte in die Wirtschaft und Institutionen, sodass jede Praxiserfahrung auf persönlichem Engagement basierte. Damit kannte ich mich aus und suchte einfach meine Erfahrung.

In Bezug auf die Studieninhalte hilft mir heute einfach die Bandbreite des Studiums über die vier Fachsprachen: Wirtschaft, Recht, Politik und Soziologie. Diese Breite hätte mir kein Ein-Fach-Studium bieten können. Davon profitiere ich jeden Tag. Interdisziplinarität ist im Studium extrem anstrengend, in der Praxis dafür umso angenehmer. Ich kann mich in so viele Situationen und Fragen hineinversetzen, was viele Leute sehr erstaunt. Ich möchte gar kein Spezialist auf nur einem einzelnen Gebiet sein. Im Rückschluss war die Entscheidung für die Staatswissenschaften im "big picture" genau das Richtige.

Wie passen Studieren - insbesondere deine Studienrichtungen - und Gründen zusammen?

Ich weiß nicht, ob man das so klar sagen kann. „Unternehmer sein“, ist eine Haltung. Das einzelne Studienfach ist für mich kein vorgezeichneter Pfad, der zwangsweise zu einer bestimmten Tätigkeit führt. Das kann es sein, muss es jedoch nicht. Dafür ist unsere Welt zu schnell mit Änderungen und Verschiebungen. Was heute studiert wird, muss durch weiteres Lernen immer wieder aufgefrischt und ausgebaut werden. Inhalte von Ausbildungen und Studiengänge ändern sich auch über die Zeit, weil sich gesellschaftlich Dinge ändern. Wenn ich das ins Große übersetze, ist ein Studienfach keine Einbahnstraße zu einem bestimmten Job.

Auf der anderen Seite: Als Selbstständiger, Unternehmer und Ladeninhaber muss ich das Generelle genauso wie das Spezielle betrachten. Vieles lernt man nicht im Studium, dafür jedoch die Herangehensweise um zur Lösung zu kommen.

Hast du einen besonderen Tipp zum Berufseinstieg für unsere zukünftigen Absolventen?

Ich würde wahrscheinlich nicht wieder sofort in ein Start-Up gehen, wie ich es getan hatte, sondern „das dicke Brett bohren“. Damals habe ich es mir mit der Entscheidung zu leicht gemacht und ohne groß Bewerbungen zu schreiben, die erste Option für eine Tätigkeit ergriffen.

Mit einer Einschränkung: Wenn die Vision Start-Up vorhanden ist, sollte man nicht zu lang als abhängig Beschäftigter unterwegs sein. Das Risiko der Selbstständigkeit nimmt man dann nicht mehr in Kauf und hat vielleicht persönliche oder sogar familiäre Verbindlichkeiten, die einen davon abhalten.

Fotos: Sandro Jödicke | whitedesk 

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