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Mittwoch, 23 August 2017 09:54

„Off Campus“: Jasmin ist Jugenddelegierte bei den Vereinten Nationen

Politisches Engagement, ausgefallene Hobbys, ehrenamtliche Tätigkeiten, spannende Nebenjobs – unsere Studierenden und Mitarbeiter machen allerhand „nebenbei“. Was sie da tun, wollten wir genauer wissen und haben nachgefragt. In unserer kleinen Reihe „Off Campus“ stellen wir euch einige davon vor. Jasmin studiert an der Uni Erfurt Internationale Beziehungen und Geschichtswissenschaft mit dem Schwerpunkt Weltgeschichte und vertritt die Interessen der jungen Deutschen bei den Vereinten Nationen – aber lest am besten selbst…

Was genau machst du neben dem Studium an der Universität?
Zwei Jahre lang – vom zweiten bis zum sechsten Semester – war ich eine von vier deutschen Jugenddelegierten der Vereinten Nationen. Mein Fachgebiet war der globale politische Prozess der Nachhaltigen Entwicklung. Ich habe so die internationalen Verhandlungen zur UN-Agenda 2030 und zu den Sustainable Development Goals, also den neuen UN-Nachhaltigkeitszielen, miterlebt. Seit dem Beschluss dieser Agenda 2030 im September 2015 habe ich dann die Umsetzung auf internationalem Parkett verfolgen dürfen. Kurz gesagt heißt deutsche Jugenddelegierte bei den Vereinten Nationen zu sein, die offizielle Regierungsdelegation u.a. zu Verhandlungsrunden und Konferenzen nach New York ins UN-Hauptquartier zu begleiten und mit den Vorteilen und Pflichten einer offiziellen Delegierten, uns jungen Deutschen und in Deutschland Lebenden dort eine Stimme zu geben.

Wie kam es dazu?
Jugenddelegierte für Deutschland kann grundsätzlich jede*r junge Deutsche bis zum Alter von 25 Jahren werden. Die Ausschreibungen sind öffentlich und man durchläuft ein Bewerbungs-/Auswahlverfahren beim Deutschen Bundesjugendring. Über recht viel politisches Engagement schon während meiner Schulzeit bin auch ich da so „reingerutscht“. Aber sicherlich schadet es auch nicht, eine ordentliche Portion an „Weltverbesserungsambitionen“ zu haben.

Bringt dir die ehrenamtliche Tätigkeit Vorteile im Studium? Falls ja, inwiefern?
Neben ein wenig zusätzlichem Fachwissen zu den Vereinten Nationen vielleicht, die aber auch nur einen kleinen Teil meines Studiums betreffen, ist das große Plus am Ehrenamt wohl der Exkurs in die Praxis: weg von akademischen Theorien und Modellen und hin zu viel „Diplomatie live“ in meinem Fall. Manchmal lernt man dann auch, wo man beruflich später nicht landen möchte. Aber auch das war eine wichtige Erkenntnis für mich.

Ist das ein Ausgleich oder eher eine Ergänzung zum Studium? Warum?
Ach mit Sicherheit beides. Mal weg vom Campus zu kommen, tut immer gut! Genauso aber habe ich mich auch immer wieder gefreut, zurückzukommen – mit neuen Frage- und Problemstellungen zu unserer Welt, die ich an der Uni mit Profs und Kommiliton*innen dann akademisch angehen wollte.

Was nimmst du aus deiner Tätigkeit als Jugenddelegierte für dein Leben, deinen Alltag mit?
Unbeschreiblich viel! Das kann ich hier wohl gar nicht alles aufzählen. Aber vielleicht so: Wenn man die Rede vor den Vereinten Nationen dann doch einmal hinter sich gebracht hat, fühlt man sich gewappnet für vieles, was kommen mag. :-) Außerdem habe ich wohl einiges über Zeitmanagement gelernt, über effizientes Arbeiten, übers Prioritäten setzen und auch über meine eigenen Energieressourcen. An solche Grenzen kam ich erst, als ich den sicheren Raum der Uni verlassen habe.

Wie bekommst du das alles unter einen Hut?
Es war, offen gestanden, wirklich nicht immer einfach. Oft lagen die Aufenthalte bei den Vereinten Nationen in New York mitten im Semester oder noch herausfordernder: mitten in der Prüfungsphase. So saß ich manchmal noch im späten August für Nachklausuren in der Bibliothek, während meine Kommilitoninnen und Kommilitonen schon die Ferien genossen. Aber hey, die heißen September blieben mir ja noch. :-) Und ganz im Ernst, ich hatte den großen Wunsch, auch während eines Studiums noch gesellschaftlich und politisch aktiv zu bleiben, deswegen habe ich immer nach Möglichkeiten gesucht, beides zu kombinieren und ich bin dankbar, dass es mir gelungen ist. Gleichzeitig, und das ist mir wichtig zu sagen, ist dieser Umfang an Engagement aber auch nicht die Messlatte, die wir Studis uns setzen sollten.

Was ist deine Motivation, was hat dich über die Zeit angetrieben?
Die vielen tollen Treffen mit anderen Jugenddelegierten aus aller Welt, die einfach jedes Mal aufs Neue ein Vergnügen waren, haben mich bestimmt kontinuierlich bei der Stange gehalten. Das Zwischenmenschliche also, und wenn man größer guckt, dann vielleicht die dringende Notwendigkeit, dass junge Menschen Politik aktiv mitgestalten müssen.

Was war dein größter Erfolg oder das beste Erlebnis innerhalb der Arbeit als Jugenddelegierte?
Puh, schwer zu sagen. Wahrscheinlich waren es viele kleine Erfolge, die mir am Ende zusammen das gute Gefühl gaben, etwas bewegt zu haben. Und wenn ich nochmal darüber nachdenke, dann war ein ganz besonderes Erlebnis wohl doch das Arbeitstreffen mit dem damaligen Generalsekretär der Vereinten Nationen Ban Ki-Moon im Jahr 2016. Zu fühlen, dass man auch als Ehrenamtliche und Studentin ernst genommen wird und seine Ideen und Lösungsansätze zur Weltpolitik beitragen darf, war sehr motivierend.

Was sind die Reaktionen deiner Kommilitonen?
Da ich Internationale Beziehungen studiere, hat mein besonderes Ehrenamt natürlich viel Interesse bei meinen Kommiliton*innen geweckt. Gerne berichte ich davon, wenn man mich fragt, aber noch viel lieber war und ist es mir immer, wenn Gleichaltrige mir ihre Wünsche, Visionen und manchmal auch Forderungen an die Vereinten Nationen mit auf den Weg gegeben haben. Denn das ist ein großer Teil der Arbeit einer Jugenddelegierten: in Deutschland präsent zu sein, viele junge Menschen zu treffen, Input zu geben, aber vor allen Dingen auch einiges an Output für meine Reden, Statements und Interventionen mit nach New York zu nehmen.

Haben wir etwas nicht gefragt, was du uns aber gern erzählen würdest?
Vielleicht noch das: Auch bei toughem BA-Studienplänen und Co., die vergangenen zwei Jahre waren die lernreichsten meines Lebens – und damit meine ich nicht nur abfragbares Wissen. Ehrenamt neben dem Studium lohnt sich also und ich kann nur alle ermutigen, sich die Zeit dafür einfach zu nehmen.

(Foto 1): Jasmin vertritt die Stimme der jungen Deutschen bei den Vereinten Nationen.
(Foto 2): Eine Sitzung der UN: In ihrem Ehrenamt berät Jasmin die deutsche Delegation aus einer jungen Perspektive heraus.

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