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Montag, 27 August 2018 15:01

Multitasking par Excellence

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Promotion, Arbeit und Familie – all das hat Annika Schreiter in den vergangenen Jahren erfolgreich miteinander verbunden. „Ich habe einen ziemlichen Dickkopf und mir wird einfach zu schnell langweilig“, erklärt die 31-Jährige schmunzelnd auf die Frage, wie sie das geschafft hat. Erst vor Kurzem hat sie ihre Doktorarbeit verteidigt, ist beruflich als Studienleiterin für politische Jugendbildung bei der Evangelischen Akademie Thüringen tätig und findet zudem Zeit für ihren zweijährigen Sohn und ihren Mann. Für „Ich mag meine Uni“ Grund genug, mit ihr darüber zu sprechen, wie genau sie das gemeistert hat und warum sie diesen Weg wählte.

Doch von vorn: 2010 schloss Annika Schreiter ihren Bachelor im Bereich Medien und Kommunikation in Mannheim ab und kam anschließend für das Master-Programm „Kinder- und Jugendmedien“ an die Universität Erfurt. „Zum einen war mir eine wissenschaftliche Ausrichtung im Master wichtig, zum anderen hielt ich es für sinnvoll, mich nach dem Bachelor thematisch zu fokussieren. Da hat mich der Master in Erfurt einfach überzeugt.“ Als sie das Studium 2013 erfolgreich abschloss, war für die Absolventin schnell klar, dass sie promovieren möchte. Und das setzte sie direkt in die Tat um: Am Promotionskolleg Communication and Digital Media (COMDIGMED) an der Uni Erfurt bearbeitete sie das Thema „Politische Kommunikation Jugendlicher im Wandel der Lebenskontexte nach dem Schulabschluss“. Genauso klar war jedoch, dass dies nicht die einzige Tätigkeit für die nächsten Jahre werden soll. „Für drei Jahre nur ein Thema zu bearbeiten, wäre für mich persönlich einfach der falsche Weg gewesen. Ich brauche es, mich mit mehreren Dingen gleichzeitig zu beschäftigen.“ Also nahm sie zunächst eine halbe Stelle als Assistentin der Geschäftsleitung bei der Evangelischen Akademie Thüringen an, wobei es jedoch nicht bleiben sollte. Nach anderthalb Jahren wurde an der Akademie eine Vollzeitstelle in der politischen Jugendbildung frei, die für Annika Schreiter sehr spannend war – so spannend, dass sie sich mit Erfolg bewarb. Was sie zu dieser Entscheidung ermutigte? „Da gab es mehrere Faktoren. Zum einen haben mir verschiedene Menschen, wie z.B. Prof. Dr. Haspel (ehemaliger Direktor der Akademie) Mut gemacht. Zum anderen, und das war wohl das Entscheidende, haben die Inhalte der Stelle und meine Dissertation thematisch perfekt zusammengepasst. Deswegen hatte ich auch einen gewissen Vertrauensvorschuss vom Kuratorium der Akademie.“ Und diese Vorschusslorbeeren waren berechtigt, denn im Verlauf der Stelle wurde immer deutlicher, wie gut die Inhalte tatsächlich zusammenpassten. „Teilweise konnte ich gar nicht mehr unterscheiden, ob ich ein Buch gerade für meine berufliche Tätigkeit oder für die Dissertation lese“, erinnert sich Annika Schreiter. „Die beiden Bereiche begünstigten sich gegenseitig – einerseits konnte ich das erlangte Fachwissen aus der Dissertation in die Arbeit einfließen lassen, andererseits bot mir mein Job die pädagogische Komponente zu der kommunikationswissenschaftlichen Ausrichtung im Promotionskolleg.“  So arbeitet Annika Schreiter innerhalb der Tätigkeit direkt mit Jugendlichen zusammen – u.a. organisiert sie Veranstaltungen, bei denen es darum geht, die Heranwachsenden für politische Themen zu sensibilisieren und im besten Fall dafür zu begeistern. Und entsprechenden Multiplikatoren, wie Lehrern oder Schulsozialarbeitern, bringt sie näher, wie diese das in Zukunft selbst vermitteln können. „Die Arbeit macht mir unglaublich viel Spaß, schon allein, weil das Thema so wichtig ist. Zudem kann ich mich dabei kreativ ‚austoben‘ – von Live-Rollenspielen bis hin zu einer ‚Star-Wars-Tagung‘“, erklärt Annika Schreiter begeistert. 

Nachdem sich das gleichzeitige Schreiben der Dissertation und das Arbeiten in einer Vollzeitstelle eingependelt hatten, wurde das Zeitmanagement der Promovendin jedoch vor neue Herausforderungen gestellt: Annika Schreiter wurde Mutter. Wie sie diese neue „Aufgabe“ mit den anderen vereinte? „Ich habe die Elternzeit genutzt, um den empirischen Teil meiner Dissertation zu Ende zu bringen. Dafür musste ich die Pausen, wenn mein Kind geschlafen hat, sehr intensiv nutzen – ohne Aufwärmphase. Aber so war ich in der kurzen Zeit produktiver als manchmal an einem ganzen Tag“, erklärt sie. „Auch das Promotionskolleg war einfach toll. Bei den Treffen hatte ich meistens mein Kind dabei. Aber niemand war genervt davon, wenn es geweint hat oder später über die Tische geklettert ist. Das ist nicht selbstverständlich und hat für mich Einiges leichter gemacht. Natürlich war mir auch mein Mann eine große Hilfe. Ich erinnere mich, wie ich samstags in der Bibliothek saß und er in der Zeit mit dem Kleinen auf dem Campus spazierengefahren ist, damit ich arbeiten konnte.“

Der Werdegang von Annika Schreiter zeigt, dass die Vereinbarung von Kindererziehung, Promotion und Arbeiten möglich ist, aber bestimmte Voraussetzungen wie gutes Zeitmanagement, Unterstützung von außen und nicht zuletzt eine gesunde Portion Optimismus dabei unabdingbar sind. „Der Weg, den ich gegangen bin, ist ehrlicherweise keiner, den ich jedem empfehlen kann. Ich hatte einfach super Bedingungen – schon allein dadurch, weil die Themen so gut zueinander gepasst haben. Und generell bin ich nicht der Typ Mensch, der zweifelt.“ Wie sie die neugewonnene Freizeit nach erfolgreicher Beendigung ihrer Doktorarbeit nutzt? „Tatsächlich habe ich mal wieder Zeit, mich einfach mit einem Buch auf den Balkon zu setzen und genieße natürlich die Zeit mit meiner Familie.“ Der Universität Erfurt wird sie übrigens auch über die Dissertation hinaus erhalten bleiben. „Zurzeit habe ich einen Lehrauftrag im Bachelor-Studiengang Kommunikationswissenschaft und werde im nächsten Jahr ein Methodenseminar geben. Dort werde ich gemeinsam mit den Studierenden einer noch unbeantworteten und zugleich sehr spannenden Frage aus meiner Doktorarbeit nachgehen. Darauf freue ich mich schon sehr.“

Foto 1: Copyright Ev. Akademie Thüringen
Foto 2: Copyright Ev. Akademie Thüringen/Reuther

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