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Mittwoch, 15 August 2018 10:42

Alumni vorgestellt: Michael, und was machst du so?

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2009 absolvierte Michael Karger sein Diplom-Studium an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Uni Erfurt. Nach dem Lizentiat an der Uni Münster kehrte er für seine Doktorarbeit nach Erfurt zurück und wurde 2016 promoviert. Mittlerweile ist er als Referent für Wissenschaft und Hochschule bei der Deutschen Bischofskonferenz tätig und dort u.a. verantwortlich für die Themen Wissenschaftsverwaltung und -koordination, kirchliches und staatliches Hochschulrecht, Akkreditierung theologischer Studiengänge, sowie katholische Institutionen im Wissenschaftsbereich. Für „Ich mag meine Uni“ berichtet er von seinen Erfahrungen…

Wie bist du damals auf Erfurt und die Universität aufmerksam geworden?
Nach Abitur und Zivildienst in Berlin wollte ich Theologie studieren, um katholischer Priester zu werden. Da fiel die Wahl des Studienortes relativ leicht. Denn die Priesterkandidaten des Erzbistums Berlin erhalten ihre theologische Ausbildung traditionell in Erfurt, früher am Philosophisch-Theologischen Studium Erfurt, seit 2003 an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt. Deshalb habe ich meine ersten „theologischen Gehversuche“ in Erfurt unternommen.

Was hat dich speziell zum Theologie-Studium bewegt?
Wie schon erwähnt, hing der Wunsch, Theologie zu studieren, einerseits eng mit dem Ziel zusammen, katholischer Priester zu werden. Andererseits fand ich die Auseinandersetzung mit dem katholischen Glauben schon seit frühesten Kindertagen äußerst spannend. Daraus ist in meiner Jugendzeit ein intensives Ringen um eine reflektierte Beziehung zu Gott und ein Leben aus dem christlichen Glauben erwachsen. Ein Studium der katholischen Theologie, mit der ich bereits zu Schulzeiten auf dem Canisius-Kolleg Berlin in Trägerschaft der Jesuiten in Kontakt kam, lag da nahe.

Was hat das Theologie-Studium mit deinem Glauben gemacht?
Im Gespräch mit Theologie-Studierenden hört man dann und wann den Satz, dass der Kinderglaube entmythologisiert oder entzaubert oder einem sogar komplett genommen werde. Das wissenschaftlich-akademische Durchdringen der christlichen Botschaft, dem Leben und Wirken von Jesus Christus auf Erden, wird in diesem Zusammenhang negativ konnotiert. Ich fand das hingegen hochspannend, beispielsweise die in der Gemeinde tradierten Erzählungen, die biblischen Geschichten, die kirchlichen Glaubenssätze oder die Klassiker der Kirchengeschichte (Hexenverbrennung, Kreuzzüge) auf den Prüfstand zu stellen. Zudem bin ich im Theologie-Studium mit Inhalten in Berührung geraten und habe Zugang zu verschiedenen philosophischen und ethischen Denkansätzen erhalten, mit denen ich mich sonst wahrscheinlich nicht auseinandergesetzt hätte. Letztlich hat mich das Theologie-Studium zum Denken herausgefordert und dadurch in meinem Glauben an Gott bestärkt.

Würdest du dich wieder für die Uni Erfurt entscheiden? Und wenn ja, warum?
Ich würde mich nicht nur wieder für die Universität Erfurt entscheiden, ich habe es tatsächlich bereits getan. Nach meinem Diplom-Studium hatte ich zunächst begonnen, in Münster Kirchenrecht zu studieren und nebenbei in Berlin als pastoraler Mitarbeiter zu arbeiten. Gleichzeitig hatte ich den Gedanken einer Promotion in katholischer Theologie in mir getragen und weiterverfolgt. Als dann eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Kirchenrecht an der Universität Erfurt frei wurde, brauchte ich nicht lange zu überlegen. Auf der einen Seite überzeugte Erfurt als Studienort mit seinem mittelalterlichen Charme, der perfekten Mischung aus Stadt und Grün und z.B. den ruhigen Sonntagmorgen (dem frühen Messgänger wird das auffallen). Auf der anderen Seite steht die Katholisch-Theologische Fakultät für eine hervorragende Studierendenbetreuung, gibt dem Denker und Forscher eine von Offenheit und Kommunikations- bzw. Diskussionsbereitschaft geprägte Atmosphäre und kann auch mit einer hervorragend ausgestatteten Bibliothek aufwarten – von den vielen studentischen Aktivitäten an der Fakultät ganz zu schweigen.

Wie hat dich die Universität auf das Berufsleben vorbereitet und welche Studieninhalte kannst du jetzt im Beruf anwenden? Welche zentralen Kompetenzen hat dir ganz speziell das Theologie-Studium dabei vermittelt? 
Die katholische Theologie ist mit ihren insgesamt vier Bereichen (systematische, praktische, exegetische und historische Theologie) nicht nur sehr vielseitig und schichtig, sondern sie ist im ständigen Diskurs mit anderen Wissenschaften. Sie hält zudem eine hohe Methodenkompetenz für die Studierenden bereit, die den Studierenden befähigt, allein oder im Diskurs Sachverhalte kritisch zu beleuchten, bestehende Vorurteile abzubauen, ethische (Neu-)Bewertungen vorzunehmen und aus christlicher Perspektive Lösungsansätze zu unterbreiten. Dabei kommt zu Gute, dass bei aller Kleinteiligkeit das Gesamt nicht aus den Augen verloren wird: die Selbstoffenbarung Gottes und seine Beziehung zu den Menschen. In nahezu allen Berufen, wo es um die Zukunft des Gemeinwesens, d.h. die Gestaltung der Gesellschaft geht – z.B. Politik, im sozialen oder caritativen Bereich, in Wissenschaft, Wirtschaft, Kultur, Medien oder der Kirche – werden diese Kompetenzen heutzutage dringend benötigt.

Hast du einen besonderen Tipp zum Berufseinstieg für unsere zukünftigen Absolventen?
Ich möchte meinen Tipp gern auf alle Studierenden der Theologie, nicht nur die Absolventen ausweiten: Denkt und handelt interdisziplinär und nutzt alle Ressourcen, die euch eure Universität zur Verfügung stellt, um euch Wissen anzueignen! Ich möchte das kurz erläutern. Ich habe mein Grundstudium „durchgezogen“, ohne über den theologischen Tellerrand hinauszuschauen und z.B. Vorlesungen oder Seminare in Politikwissenschaften, in Psychologie oder auch Wirtschaftswissenschaften zu besuchen. Das aber ist heutzutage im Gespräch mit anderen Wissenschaften, mit Politikern oder Vertretern der Gesellschaft sehr wichtig. Nur wer sich die Perspektive und Methode, ja das Denken des anderen aneignet und versteht, kann auch auf seine Fragen aus christlicher Perspektive antworten. Rückblickend merke ich erst, wie wichtig auch Praktika und Auslandsaufenthalte sind, da sie den eigenen Horizont erweitern und Erfahrungen generieren, die gerade beim Berufseinstieg und im Bewerbungsverfahren von Vorteil sein können. Ich selbst hätte mir gewünscht, wenn ich schon früher die Comfort-Zone meines theologischen Studiums verlassen hätte.

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