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Montag, 16 April 2018 13:09

"Ich bin dann mal weg…" – Esmeralda in Amman

Ein Auslandsaufenthalt ist eine feine Sache. Man kann eine fremde Sprache vertiefen, bekommt Einblicke in eine andere Kultur, knüpft neue Kontakte, erweitert seinen Horizont und nebenbei macht es sich im Lebenslauf auch immer gut. Mehr als 100 Studierende der Uni Erfurt wagen diesen Schritt alljährlich. Wir haben Esmeralda ein paar Fragen zu ihrem Auslandsaufenthalt in Amman (Jordanien) gestellt.

Wo bist du und für welchen Zeitraum wirst du dort sein?
Ich verbringe sechs Monate (von März bis September) in Amman, Jordanien und mache ein Praktikum im Referat "Gender Equality and Women‘s Empowerment" des United Nations Development Programme (UNDP) Regionalbüro für Arabische Staaten.

Warum hast du dich für dein Gastland entschieden?
Jordanien ist politisch sehr interessant, da das Land vom Syrien-Krieg und dem Israel-Palästina-Konflikt geprägt ist. Ich habe an der Uni Arabisch belegt und bereits im vergangenen Sommer ein zweimonatiges Praktikum in einem Flüchtlingslager an der jordanisch-syrischen Grenze gemacht. Ich habe mich hier von Anfang an sehr wohl gefühlt, gute Freunde gefunden und sofort gemerkt, dass ich unbedingt wiederkommen möchte.

Wie begrüßt man sich dort?
Man begrüßt sich mit "Ahlan", oder "Assalamu-Aleikum". Dazu sind Küsschen sehr verbreitet, auch unter Männern. Aber zwischengeschlechtlich vermeidet man Körperkontakt in der Öffentlichkeit eher.

Ist es einfach, mit Einheimischen in Kontakt zu kommen?
Total! Junge Jordanier sind sehr offen, herzlich und unternehmungslustig und in Amman können viele gut English. Die meisten meiner Freunde sind Jordanier.

Welche Erwartungen hast du an deine Zeit im Ausland und werden sie bisher erfüllt?
Ich habe mich schon sehr lange für den arabischen Raum interessiert, meine Aufenthalte waren jetzt sozusagen die Probe, ob es mir hier überhaupt gefallen würde. Im Praktikum wollte ich lernen, wie eine globale Organisation operiert und besonders wie ihre Herangehensweise an die Entwicklungsziele und Geschlechtergleichheit ist. Bis jetzt konnte ich sehr viel lernen und bin meinem Berufswunsch sehr viel nähergekommen.

Was war bisher die größte Herausforderung?
Die größte Herausforderung ist das Praktikum an sich. Viel und zudem sehr gute Arbeit zu leisten, wird im UNDP-Regionalbüro von jedem erwartet und ich bekomme dementsprechend auch anspruchsvolle und vor allen Dingen ungewohnte Aufgaben. Dazu kommt die Fülle der Projekte – da wir überregional alle arabischen Staaten betreuen – und der recht eigene Schreib- und Sprachstil der UN.

Bitte vervollständige: Das Beste an meinem Gastland ist….
… die Gastfreundlichkeit. Man findet sofort Kontakt zu netten Leuten. "Habibi" (Liebling) ist ein Wort, das immerwährender Teil der Stadtgeräusche ist. Und man wird immer sofort zum Essen oder auch überall sonst eingeladen.

Was aus Deutschland vermisst du bisher am meisten?
Die Transportmöglichkeiten, also den öffentlichen Nahverkehr und das Fahrradfahren. Hier gibt es eine eher undurchsichtige Busversorgung, die ich ausländischen Frauen nicht unbedingt empfehlen würde. Fahrradfahren ist in Amman sehr stressig und (leider auch wieder) für Frauen moralisch höchst verwerflich. So fahre ich meist Taxi, was im Vergleich zu Deutschland relativ kostengünstig ist, sich aber dennoch summiert. Zudem vermisse ich Wälder, denn grüne Landschaften findet man hier nur drei Monate im Jahr.

Und was wirst du von dort vermissen, wenn du wieder zurück bist?
Das große Interesse am entwicklungspolitischen Geschehen, das hier fast jeder teilt – die meisten Ausländer sind hier, weil sie für NGOs oder die UN arbeiten. Es gibt unzählige Kunstausstellungen, Filmvorführungen und Diskussionsabende, die sich mit diesen Themen befassen. Dazu findet viel auf den Dächern der Stadt statt – eine sehr schöne Atmosphäre.

Was war bisher deine beste Erfahrung oder dein schönstes Erlebnis?
Meine beste Erfahrung war ein Ausflug mit Freunden in die Wüste. Wir haben eine Nacht in der Wüste Wadi Rum in der Nähe von Saudi-Arabien übernachtet, draußen geschlafen und Sternschnuppen beobachtet. Das hat mich schon sehr beeindruckt.

Wie sind die Lebenshaltungskosten an deinem Praktikumsort? Und wie sieht es mit Wohnraum aus?
Die Lebenshaltungskosten sind relativ niedrig, ein WG-Zimmer im Stadtzentrum gibt es ab 200 Euro. Solange man sich einheimisch ernährt, ist das auch sehr günstig: Falafel und Hummus oder Shawarma gibt es für einen Euro. Aber wie schon erwähnt, habe ich höhere "Transportkosten".

Gibt es etwas im täglichen Leben, das sich grundlegend von deinem Alltag in Erfurt unterscheidet? Falls ja, was und hat es dich überrascht?
Als Frau eine andere Stellung in der Gesellschaft zu haben, war für mich am Anfang gewöhnungsbedürftig. Es gibt viele Regeln, die das Zusammenleben von Männern und Frauen bestimmen und die man am besten einfach akzeptiert. Als Ausländerin bin ich aber gleichzeitig auf eine andere Art privilegiert, da westliche Ausländer hier hohes Ansehen genießen.

Was würdest du anderen empfehlen, die sich für einen Auslandsaufenthalt entscheiden?
Nur Mut! Amman ist eine weltoffene Stadt und Jordanien ein sehr sicheres Land. Es ist der perfekte Ort, um den Nahen Osten kennenzulernen und man hat eine super Mischung aus arabischem Leben und internationaler Community. Gerade für Entwicklungshilfe-Interessierte, kann man hier extrem viel lernen und Kontakte knüpfen.

Haben wir etwas nicht gefragt, was du uns aber gern erzählen möchtest?
Mein Lieblings Fun Fact ist: Die Steuer auf Alkohol liegt bei 300 Prozent! Da lernt man das Nachtleben auch mit Tee zu genießen.

Foto: Esmeralda und drei andere Mitarbeiter in einem Flüchtlingslager.

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