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Mittwoch, 20 Dezember 2017 14:45

„Ich bin dann mal weg…“ – Franziska in Jerusalem

Franziska ist Bachelor-Studentin (Internationale Beziehungen und Wirtschaftswissenschaft) im 5. Fachsemester und ist im Moment zum Studieren in Jerusalem (Israel). Franziska ist Bachelor-Studentin (Internationale Beziehungen und Wirtschaftswissenschaft) im 5. Fachsemester und ist im Moment zum Studieren in Jerusalem (Israel).

Ein Auslandsaufenthalt ist eine feine Sache. Man kann eine fremde Sprache vertiefen, bekommt Einblicke in eine andere Kultur, knüpft neue Kontakte, erweitert seinen Horizont und nebenbei macht es sich im Lebenslauf auch immer gut. Mehr als 100 Studierende der Uni Erfurt wagen diesen Schritt alljährlich und absolvieren ein Auslandssemester. Wir haben Franziska ein paar Fragen zu ihrem Auslandssemester in Jerusalem, Israel, gestellt.

Wo bist du und für welchen Zeitraum wirst du dort sein?
Ich bin für ein Semester in Jerusalem und gehe an die Hebräische Universität der Stadt.

Wie begrüßt man sich dort?
Man begrüßt sich mit „Shalom“, was so viel wie „Hallo“ bedeutet, genau genommen aber „Frieden“ heißt. „Boker tov“ ist „Guten Morgen“, aber ein einfaches „Hi“ oder „Hey“ kommt auch vor.

Warum hast du dich entschieden, dorthin zu gehen?
Ich habe Hebräisch im ersten Semester spaßeshalber angefangen, weil ich mal eine „andere“ Sprache lernen wollte. Erzählungen von Israel und der Aufbau der Sprache machten mich dann neugierig und nach zwei kurzen Aufenthalten war es an der Zeit, das Land mal als Wohnort auszuprobieren. Hineingespielt in die Entscheidung hat außerdem mein Interesse am Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern – und vor Ort bekommt man meiner Meinung nach den besseren Einblick.

Welche Erwartungen hast du an deine Zeit im Ausland und werden sie bisher erfüllt?
Ich wollte mehr Hebräisch sprechen, neue Menschen kennenlernen und mich wie „zuhause“ fühlen. Hebräisch kann man hier natürlich überall sprechen und die Leute freuen sich, wenn man sie in ihrer Landessprache anspricht. Neue Menschen kennenzulernen, ist hier nicht schwierig, man kommt schnell ins Gespräch, ob am Marktstand oder im Bus. Eintönig ist mein Alltag nicht, es gibt einfach zu viel zu unternehmen, das gefällt mir.

Ist es einfach, mit Einheimischen in Kontakt zu kommen?
Sehr, fast schon zu einfach. Israelis und Palästinenser sind sehr aufgeschlossen und freundlich, Unterhaltungen entstehen schnell.  

Wie sind die Lebenshaltungskosten an deinem Studienort? Und wie sieht es mit Wohnraum aus?
Israel ist ziemlich teuer, ich gebe hier viel mehr Geld aus, als in Deutschland. Wenn man sich am Markt ein bisschen auskennt und das isst, was Saison hat oder kurz vor „Shabbat“ auf dem Markt ist, bekommt man vieles günstiger. Ich wohne sehr günstig für die Verhältnisse hier, sodass sich meine Monatsmiete auf 460 Euro einpendelt (ich bin zur Halbzeit umgezogen). Während der Wohnungssuche war aber schnell klar, dass der Mittelwert bei 550 bis 600 Euro für ein Zimmer in einer WG liegt.

Gibt es etwas im Studium oder täglichen Leben, das sich grundlegend von deinem Alltag in Erfurt unterscheidet? Falls ja, was und hat es dich überrascht?
Eigentlich ist das ganze Leben hier komplett anders. Man hat engeren Kontakt zu Professoren, man gewöhnt sich schnell an große Menschenmassen auf dem Markt und lernt, wie man trotzdem seinen Einkauf schnell erledigen kann. Hier ist – gerade wegen der politischen Situation im Dezember 2017 – viel Polizei und Armee unterwegs. Und natürlich ist Weihnachten weniger wichtig als in Deutschland. In der Adventszeit waren es tagsüber 23°C, da fehlen Glühwein und Lebkuchen aber auch nicht wirklich.

Apropos – Wie feiert man eigentlich in Israel Weihnachten?
Sofern Weihnachten gefeiert wird, ist es ganz ähnlich wie in Deutschland. Es gibt Weihnachtsbäume, Lieder und auch der Weihnachtsmann schaut bei Veranstaltungen vorbei. Von verschiedenen christlichen Kirchen – wie beispielsweise der Erlöserkirche – gibt es Weihnachtskonzerte und natürlich Gottesdienste. Auf einem Weihnachtsmarkt von arabischen Christen in der Altstadt werden zudem handgefertigte Taschen, Kerzen, Kuscheltiere aus Palästina angeboten und man kann eigenen Weihnachtsschmuck basteln und Plätzchen essen. Man muss wissen, wo Weihnachten gefeiert wird, ansonsten kann man das Fest hier ganz einfach „verpassen". Da im Dezember auch Chanukka gefeiert wird, ist die feierliche Stimmung trotzdem vorhanden, so stehen an öffentlichen Plätzen und vor Hotels eben keine Weihnachtsbäume, sondern riesige Chanukkaleuchter, die allabendlich angezündet werden.

Was würdest du anderen empfehlen, die sich für einen Auslandsaufenthalt entscheiden/vorbereiten?
Für Jerusalem speziell hätte ich einige Tipps: keine Panik bei der Wohnungssuche beispielsweise. Ich denke, jeder kann etwas aus einem Aufenthalt im Ausland mitnehmen, aber es gibt natürlich auch schwierige Phasen. Ein guter Tipp ist vielleicht, sich nicht mit anderen Studierenden im Ausland zu vergleichen, denn jeder Mensch hat unterschiedliche Vorstellungen und Ansprüche. Man muss das machen, was für einen selbst richtig ist.

Foto: Franziska vor dem Tempelberg in der Altstadt Jerusalems.

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