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Dienstag, 19 September 2017 14:59

Alumni vorgestellt: Franziska, und was machst du so?

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Mit einer Absage für den eigentlichen Traumberuf fing alles an. Was unsere Absolventin Franziska dafür bei ihrem Plan B gefunden hat? Ihren Glauben. Ein herausforderndes Studium. Und eine Arbeit als Seelsorgerin im Bistum Magdeburg, die mit ihren zahlreichen Aufgaben – dazu gehören u.a. der Religionsunterricht in der Schule, die Sakramentenvorbereitung für die Gemeinde, Gottesdienste und Andachten, Schülertage, Kranken- und Altenseelsorge, Jugendarbeit, Kindergarten-Pastoral,  Beerdigungsdienst sowie "Aufgaben im Kirchenjahr" und Pressearbeit (Kolumne „Gott und die Welt") – zugleich abwechslungsreich und Berufung ist. Und weil die Entscheidung für das Studium der Theologie die (bisher) "beste ihres Lebens war", sie gern an ihre Zeit in Erfurt zurückdenkt und sie ihre Arbeit trotz oder gerade wegen der Herausforderungen, vor denen die Kirche steht, liebt, war sie gern für ein Interview mit uns bereit.

Wie bist du damals auf Erfurt und die Universität aufmerksam geworden? Und was hat dich speziell zum Theologie-Studium bewegt

Nach meinem Schulabschluss wollte ich eigentlich Hebamme werden. Ich habe mich in unzähligen Ausbildungsorten beworben, aber immer nur Absagen bekommen. Plan B war ein Studium, doch zuerst wusste ich nicht so recht, was ich machen soll. Ein Semester habe ich in Jena Lehramt für Deutsch und Religion studiert. Am 08.04.2007 ließ ich mich, nach einem Jahr Vorbereitungszeit, in Weißenfels taufen. Ich wusste, dass dies mein Weg ist, den ich gehen möchte. Ich wollte alles auf "eine Karte" setzen. So informierte ich mich im Internet darüber, an welchen Orten Katholische Theologie als Studienfach angeboten wird und bin auf Erfurt gestoßen. Erfurt kannte ich als Stadt, auch wenn meine Heimatstadt nicht allzu weit weg ist, damals noch nicht. Ich immatrikulierte mich im Diplomstudiengang Katholische Theologie und zog ins Studentenwohnheim nach Erfurt. Zehn wundervolle Semester durfte ich in Erfurt studieren und habe die Zeit, die nicht immer einfach war, sehr genießen dürfen. Auch heute, jetzt wo ich in Naumburg (Saale) lebe und arbeite, komme ich gerne nach Erfurt zurück und genieße immer ein kleines Stück Heimat im Alltag.

Würdest du dich wieder für die Uni Erfurt entscheiden? Und wenn ja, warum?

Wenn mich heute jemand fragen würde, ob ich wieder an der Universität Erfurt studieren würde, dann bekäme er von mir die absolut klare Antwort: JA!
Natürlich kann ich hier nur von meinem Studiengang berichten. Der Ort, im Kreuzgang im Dom St. Marien, ist einer der schönsten Orte, um Theologie zu studieren. Das Ambiente passt zum Fach. Die Vorlesungen und Seminare waren immer spannend und nie überfüllt. Nie war ich nur eine Matrikelnummer, sondern immer eine Person. Die Studierenden und Professoren kannten einander. Bei Problemen war stets jemand da, um sie mit einem zu lösen.
Außerdem ist die Stadt Erfurt ein wunderschöner Studienort. Trotz Großstadt hatte ich nie das Gefühl als junger Mensch im Gewusel unterzugehen. Erfurt ist eine Stadt mit Geschichte, Tradition und Flair, aber auch eine junge, moderne und angesagt Stadt.

Wie hat dich die Universität auf das Berufsleben vorbereitet und welche Studieninhalte kannst du jetzt im Beruf anwenden?

Das Studienfach Katholische Theologie ist auf keinen Fall eingestaubt und trocken. Viele verschiedene Gesichtspunkte werden in den zehn Semestern Studium betrachtet: Kirchengeschichte, Philosophie, Religionspädagogik und Kirchenrecht sind nur einige der vielen interessanten Fächer. Sicher ist das Studienfach erst einmal sehr theorieorientiert. Genauso wie in der Schule heißt es: Nicht alles, was ich lerne, kann ich genauso später auch anwenden. Aber man lernt im Leben auch nie aus und das Studium ist das Fundament, auf das ich im weiteren Berufsleben aufbauen kann.

Doch vieles, was ich im Studium gelernt habe, kann ich heute in meinem Beruf anwenden. Wenn ich zum Beispiel Schüler im Fach Religion unterrichte, dann brauche ich religionspädagogisches Fachwissen, um zu wissen, welche Methode ich anwenden kann. Ich brauche Philosophie, denn Kinder stellen die philosophischsten Fragen. Ich brauche Kirchengeschichte, Dogmatik, Moraltheologie und die biblischen Wissenschaften, um ihnen den Inhalt erklären zu können. Und ich brauche Kirchenrecht, um ihnen die Rahmenbedingungen von manchen Dingen erklären zu können. Mein Fundament, das ich im Studium gelegt habe, trägt mich heute durch meinen Beruf.

Was hat das Theologie-Studium mit deinem Glauben gemacht?

Auch wenn ich als damals Neugetaufte anfing, katholische Theologie zu studieren und mit keinem "Kinderglauben" ans Studieren ging, kann ich trotzdem sagen, dass das Theologiestudium meinen Glauben hat reifen und erwachsenen werden lassen. Viele wissenschaftliche Informationen, Jahreszahlen, Glaubenssätze und Gesetzestexte der Kirche kamen auf mich zu. Und mit einigen Dingen habe ich schon die eine oder andere schlaflose Nacht verbracht. Doch auch wenn so manche Erkenntnis weh tat, nichts von alledem hat meinem Glauben geschadet. Sicherlich hat er sich in den fünf Jahren Studium verändert, aber ich fühlte mich durch die Professoren und Studierenden immer aufgefangen. Ich denke, es ist auch immer eine Frage der Perspektive, denn wenn ich mich auf ein intensives Theologiestudium einlasse, dann ist dies ein Weg, der mit Ringen um Fragen, um den Glauben und persönlicher Entwicklung zu tun hat. In meinen Studienjahren habe ich jeden Morgen vor der ersten Vorlesung im Dom die Hl.Messe besucht. Das war für mich persönlich wichtig und hat mir Sicherheit geschenkt. Ich konnte mein Wissen stillen, Fragen stellen und an meinem Glauben arbeiten, ohne ihn zu verlieren, denn ich wusste mich immer gehalten und unterstützt auf dem Weg den ich gehe.

Hast du einen besonderen Tipp zum Berufseinstieg für unsere zukünftigen Absolventen?

Wenn ich es allgemein halte, dann möchte ich den zukünftigen Absolventen einen Wunsch mit auf den Weg  geben: Ihr habt mit eurem Studium einen ganz wichtigen Baustein in eurem Leben gelegt, nämlich das Fundament. Seid aber immer bereit, weiter zu lernen, für euch, nicht für andere. Seid neugierig und bringt alles, was euer Fundament beinhaltet, in euren Beruf ein. Lebt die Freude und Liebe, die euch zu diesem Studium gebracht haben, auch in eurem Beruf weiter. Auch wenn es euer Traumberuf ist, wird nie immer alles, was ihr tut, Freude machen. Aber ihr könnt aus jedem Tag für euch und andere den Schönsten machen.
Über meinem Schreibtisch hängt ein Plakat auf dem steht: "Trau dich immer ein Lächeln auf den Lippen zu haben!" Das wünsche ich euch für jeden Tag eures zukünftigen Berufslebens. Und versucht daran zu denken, dass es nicht nur ein Job ist, sondern ein(e) Beruf(ung)!

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