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Mittwoch, 09 August 2017 14:40

Off Campus: Organisationstalent im Katholischen Krankenhaus

Politisches Engagement, ausgefallene Hobbys, ehrenamtliche Tätigkeiten, spannende Nebenjobs – unsere Studierenden und Mitarbeiter machen allerhand „nebenbei“. Was sie da tun, wollten wir genauer wissen und haben nachgefragt. In unserer kleinen Reihe „Off Campus“ stellen wir euch einige davon vor. Michelle studiert Katholische Religion und Management im 6. Fachsemester und arbeitet nebenbei in einem Katholischen Krankenhaus – aber lest am besten selbst…

Michelle, du arbeitest neben deinem Studium als Organisatorin der Patientenbegleitung im Katholischen Krankenhaus. Erzähle uns doch zunächst ein bisschen von deiner Tätigkeit!
Im Katholischen Krankenhaus bin ich für die Organisation der ehrenamtlichen Patientenbegleitung zuständig. Diese entstand erst Anfang 2017, weshalb meine Aufgaben momentan vor allem mit der Entwicklung, Verbesserung und Etablierung der Patientenbegleitung zu tun haben. Dabei arbeite ich oft im Büro an organisatorischen Aufgaben, bin aber auch viel auf den einzelnen Stationen und im restlichen Haus unterwegs. Ich führe viele Gespräche, um unseren Ehrenamtlichen die Arbeit so angenehm und leicht wie möglich zu gestalten. Sie sollen sich ja wohl und gebraucht fühlen. Dafür muss aber die Kommunikation mit dem Pflegepersonal stimmen.

Seit wann gehst du dieser Arbeit nach und wie ist es dazu gekommen?
Ich hatte während der Semesterferien zwei Monate lang die Möglichkeit, ein Praktikum im Katholischen Krankenhaus im Bereich der Pflegedienstleitung zu machen. Dort gab es schon länger den Wunsch, die „Grünen Damen“, den ehemaligen ehrenamtlichen Besuchsdienst, wieder ins Leben zu rufen. Ich durfte dann das Konzept für unsere heutige Patientenbegleitung mitentwickeln.

Die meisten Menschen sind vermutlich froh, wenn sie so wenig Zeit wie möglich im Krankenhaus verbringen müssen. Warum möchtest du aber gerade dort arbeiten?
Ich bin sehr glücklich, dass durch meine Arbeit im Krankenhaus etwas entstanden ist, das wirklich vielen Menschen hilft und Freude bereitet. Die ehrenamtliche Arbeit, die wir aufbauen möchten, ist wichtig und auch nötig. Gerade im Krankenhaus begegnen uns jeden Tag Menschen, die Hilfe suchen, sei es krankheitsbedingt oder aus anderen Sorgen und Nöten heraus. Wir wollen für diese Menschen da sein, ihnen ein „offenes Ohr“ schenken oder bei kleinen Dingen des Alltags helfen. Dafür suchen wir natürlich gerade jetzt in der Anfangszeit ganz dringend nach Menschen, die Lust haben, uns dabei zu unterstützen. Die Arbeit im Krankenhaus bietet sehr viele Möglichkeiten, um Erfahrungen zu sammeln. Die Patienten sind sehr dankbar für die Hilfe und auch das Pflegepersonal freut sich über die ehrenamtliche Unterstützung. Das schenkt Zuversicht. Gerade im Krankenhaus wird das, was man investiert, immer auch „zurückgezahlt“.

Ist deine Arbeit im Katholischen Krankenhaus dabei konfessionsgebunden?
Nein, meine Arbeit und auch die Mitgliedschaft in der Patientenbegleitung sind nicht konfessionsgebunden. Erwartet wird aber Respekt und Verständnis für den Glauben anderer.

An der Universität Erfurt studierst du den Bachelor-Studiengang „Katholische Religion“ im Hauptfach und „Management“ im Nebenfach. Inwiefern spiegelt sich dein Studium in deiner Arbeit wider? Wo lassen sich Theorie und Praxis hier miteinander verknüpfen?
Meine Arbeit war bereits während meines Praktikums die perfekte Verknüpfung meiner Studienfächer. Die Theologie bietet die nötigen Kompetenzen zum Reflektieren, zum systematischen Denken, aber auch die christlich-zwischenmenschliche Komponente. Dies hat mir bei der Entwicklung besonders beim Strukturieren, aber auch bei den direkten Gesprächen mit Personal und Patient geholfen. Bei meinem Management-Studium hat mich schon immer vor allem die Organisationstheorie interessiert. Natürlich war dies bei den Aufgaben zum organisatorischen Aufbau der Patientenbegleitung besonders hilfreich. Ich musste mit dem Konzept der Patientenbegleitung ja komplett von vorn beginnen, da es keinen ehrenamtlichen Dienst mehr im Krankenhaus gab. Dabei konnte ich die im Studium erlernten Modelle ausprobieren und anwenden.

Studium und Arbeit sind für sich genommen jeweils zeitaufwendig. Wie bekommst du dennoch beides unter einen Hut?
Das stimmt! Da ich neben meinem Studium und der Arbeit im Krankenhaus noch als studentische Hilfskraft an der Professur für Dogmatik bei Prof. Dr. Knop tätig bin, nimmt dies insgesamt sehr viel Zeit in Anspruch. Jedoch habe ich dabei das Glück, dass sowohl meine Professorin, als auch die Leiter der Patientenbegleitung und unser Pflegedienstleiter mir sehr viel Freiraum und Selbstständigkeit zugestehen. Aber die Uni hat immer Priorität für mich. Wenn also wieder die Prüfungen anstehen, dann bekomme ich auch die nötige Zeit zum Lernen. Der Rest besteht aus gutem Zeitmanagement und meinem „bestem Freund“, dem Kalender. Außerdem mag ich die Nebenbeschäftigungen einfach sehr gern, sie machen mir Spaß und ich lerne viel daraus.

Was war dein bisher größter Erfolg im Rahmen deiner Tätigkeit? Oder: An welches Erlebnis in diesem Kontext erinnerst du dich besonders stark?
Da gerade die Entwicklung der Patientenbegleitung ein ständiges Auf und Ab war, erinnere ich mich besonders gern an unsere kleinen Erfolge. Ich habe meine Semesterferien „sausen lassen“ für dieses Praktikum, durfte mich dort aber beweisen, indem mir – obwohl ich zuvor noch keine große Arbeitserfahrung gesammelt hatte – Vertrauen in mein Konzept geschenkt wurde. Da war ich natürlich sehr stolz, dass meine Arbeit so gut angenommen wurde. Der bisher größte Erfolg ist die Akzeptanz dieses Konzeptes. Es ist nicht selbstverständlich, in so einem großen Haus mit seinen bestehenden Strukturen und Systemen etwas Neues zu etablieren.

Haben wir etwas nicht gefragt, was du uns aber gern noch erzählen möchtest?
Ich freue mich sehr über dieses Interview und möchte gern noch einmal die Chance nutzen, um zu sagen, dass wir immer nach Menschen suchen, die sich ehrenamtlich engagieren möchten. Alle, die an der Patientenbegleitung beteiligt sind, hängen daran. Wir geben uns viel Mühe und freuen uns deshalb sehr über Unterstützung.

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