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Freitag, 10 Oktober 2014 00:00

Punkrock und Bibliotheksdienst

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Till Schwarzmann ging es diesen Sommer wie so einigen Jugendlichen nach dem Abitur: Er hat viele Interessen, aber was davon einmal zu seinem Beruf werden könnte, das wusste er nicht so richtig. Um sich nicht gleich auf eine Ausbildung oder ein Studium festzulegen, entschied er sich deshalb, ein Jahr lang in einen Bereich hineinzuschauen und ein sogenanntes Freiwilliges Soziales Jahr in der Kultur (FSJK) zu absolvieren. Und weil der Friemarer erst einmal in der Region um Gotha bleiben wollte, freute er sich über ein FSJK-Angebot der Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt. Seit dem 1. September unterstützt er nun das Team auf Schloss Friedenstein.

"Eigentlich hätte ich mir eher etwas Kaufmännisches vorstellen können", sagt der 19-Jährige. "Aber dann habe ich im Internet recherchiert und diese Bibliotheksstelle gefunden. Natürlich denkt man zuerst, die Arbeit in einer Bibliothek könnte dröge sein, aber es klang alles sehr spannend." Seinen zukünftigen Arbeitgeber kannte er zu diesem Zeitpunkt auch schon: Wie die meisten Gothaer Schüler hat er in der Oberstufe eine Führung zur Vorbereitung seiner Seminarfacharbeit mitgemacht und so die Bestände kennengelernt. Und auch die historische Ausrichtung der Forschungsbibliothek ist ihm nicht ganz fern. "Man kann es vielleicht meinen Schulnoten nicht ansehen, aber ich interessiere mich durchaus auch für Geschichte", lacht er. "Das habe ich vor allem meinen Eltern zu verdanken, die sich für Früh- und Urgeschichte interessieren und mich oft in Museen und an historische Orte mitgenommen haben." Dass die Arbeit tatsächlich spannend und sehr abwechslungsreich ist, das hat sich für Schwarzmann dann auch bereits in den ersten Wochen bewiesen. Schnell bekam er eigene Aufgaben und konnte sich innerhalb kürzester Zeit einarbeiten. Er sucht Bücher für Bestellungen aus dem Magazin heraus, sortiert den Rücklauf von zurückgebrachten Büchern, überwacht und sammelt die Pressestimmen und bereitet Signaturen und Kurzbeschreibungen für die Website vor. Für den Umzug der Perthes-Sammlung im nächsten Jahr half er dabei, die Archivalien auszumessen und zu berechnen wie viele Exemplare von welcher Größe in den neuen Regalen untergebracht werden können. "Die Arbeit macht wirklich Spaß. Meine Kolleginnen und Kollegen haben mich herzlich aufgenommen und sind sehr hilfsbereit. Das Beste ist aber: Ich kann mir meinen Arbeitstag so strukturieren, wie ich es möchte, Hauptsache alles ist zum erwarteten Zeitpunkt fertig." So kann er sich auch am einfachsten mit seinen Bandkollegen organisieren. Denn neben der Naturfotografie und der Arbeit im Faschingsverein ist die fünfköpfige Deutschpunk-Band Fehlbesetzung nämlich sein größtes Hobby. "Wir schreiben Texte über Themen, die uns bewegen oder uns in der Gesellschaft stören", sagt der Bandsänger. "Dabei nehmen wir uns aber nicht ganz so ernst wie andere junge deutsche Bands." Zweimal in der Woche proben die fünf jungen Musiker, am Wochenende geht es dann zu Auftritten, meist nach Gotha und Erfurt, aber auch nach Berlin oder Sachsen. Außerdem haben sie gerade ihre erste Platte "Verkehrte Welt" herausgebracht.

Punkrock und Bibliotheksdienst – Till Schwarzmann genießt sein derzeitiges Kontrastprogramm. Und bereits jetzt kann er sich gut vorstellen, später tatsächlich im Bibliotheksbereich zu arbeiten, vielleicht eine Ausbildung oder ein duales Studium in dieser Richtung zu absolvieren. "Fehlbesetzt" fühlt er sich hier nämlich ganz und gar nicht.

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