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Dienstag, 30 September 2014 08:11

Weg vom Wettbewerbsfetisch… Ein Gespräch mit Prof. Dr. Walter Bauer-Wabnegg, dem neuen Präsidenten der Universität Erfurt

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(Bild: Bauhaus Universität Weimar) (Bild: Bauhaus Universität Weimar)

Als Prof. Dr. Kai Brodersen, bis 1. Juli 2014 amtierender Präsident der Universität Erfurt, in Rumänien die Nach¬richt vom „weißen Rauch“ über dem Campus erreichte, dauerte es nur wenige Sekunden, da flatterte seine Ant¬wort via E-Mail in die Heimat: „Uffff“. Damit sprach er aus, was sicher sehr viele an der Uni dachten: Endlich geschafft! Wir haben einen neuen Präsidenten! Sein Name: Prof. Dr. Walter Bauer-Wabnegg. Seine Mission? Lesen Sie selbst...

[Auszug aus CAMPUS. Das Magazin der Universität Erfurt 2|2014]

CAMPUS: Herzlich willkommen, Herr Prof. Bauer-Wabnegg. Sie haben sich für Ihre Entscheidung, neuer Präsident der Uni zu werden, Zeit gelassen. Manch einer hat Ihr Zögern als Unsicherheit interpretiert. Waren Sie denn unsicher?

Walter Bauer-Wabnegg: Was?! Das ging doch alles richtig schnell. Die Zeit wurde im ersten Verfahrensgang verbraucht, der insgesamt über ein Jahr in Anspruch nahm. Damit habe ich nichts zu tun. Wir haben nicht einmal drei Monate gebraucht. Das war im Vergleich sehr zügig.

CAMPUS: Sie sind im April 60 Jahre alt geworden und haben in Ihrem bisherigen Berufsleben sehr viel erreicht. Sie waren Rektor der Bauhaus-Universität Weimar und auch Staatssekretär im Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Thüringen. Was hat Sie daran gereizt, noch einmal Präsident zu werden und vor allem was hat Sie dabei an die Universität Erfurt gelockt?

Walter Bauer-Wabnegg: Ich wurde gebeten, mich einzubringen. Das Alter gibt eine gewisse Freiheit zu gelassener Radikalität oder auch radikaler Gelassenheit. Das probieren wir mal miteinander aus.

CAMPUS: Welche wird Ihre erste Amtshandlung an der Uni Erfurt sein?

Walter Bauer-Wabnegg: Vor allem müssen wir zügig das gesamte Präsidium installieren. Ich freue mich auf unsere Vizepräsidentinnen. Diese repräsentieren zusammen mit dem hervorragenden neuen Kanzler die Zukunft.

CAMPUS: Sie übernehmen in Zeiten des knallharten Wettbewerbs um Köpfe und finanzielle Mittel die jüngste staatliche Universität Deutschlands, aber eben auch eine mit Wurzeln bis ins Mittelalter. Wie gut ist die Universität Erfurt aus Ihrer Sicht für die Zukunft gerüstet?

Walter Bauer-Wabnegg: Ich glaube, wir sollten auch in den Köpfen von diesem Wettbewerbsfetisch weg. Natürlich geht ohne Anstrengung nichts. Wissenschaft braucht aber vor allem Kooperation. Wenn es der Universität gelingt, mit wechselseitigem Respekt ihre Unterschiedlichkeit zu leben, diese als Reichtum zu begreifen und damit auf ein gutes Miteinander zu setzen, dann ist sie sowieso gut gerüstet. Kleine Universitäten haben dann die besten Chancen, wenn sie anders sind als die großen. Und an der besonderen und außerordentlichen Zusammensetzung mangelt es doch wirklich nicht.

CAMPUS: Vor welchen Herausforderungen sehen Sie die Hochschulen in Thüringen im Allgemeinen und die Universität Erfurt im Besonderen?

Walter Bauer-Wabnegg: Es muss endlich mal zuverlässige Ruhe einkehren. Die indikatorbasierte auf Rivalität getrimmte Mittelzuweisung sollte unbedingt einer Profilfinanzierung weichen. Diese Profile müssen eben jeweils zusammen mit dem Land entschieden werden. Dabei zählt Qualität mehr als Masse. Und auch die kleinteilige Schubladenfinanzierung mit ein bisschen Programm hier und ein wenig Programm dort schafft nur Aufwand und Unruhe. Wir brauchen eine ordentliche und langfristig zuverlässige Grundfinanzierung, die uns in Ruhe arbeiten lässt.

CAMPUS: Vor diesem Hintergrund – mit welcher Idee kommen Sie nach Erfurt?

Walter Bauer-Wabnegg: Sag ich doch: Mut zur Unterschiedlichkeit bei einer Kultur des Respekts. Die Universität Erfurt sollte sich als Campus der Verschiedenheiten, als Garten mit ganz unterschiedlichen Abteilungen sehen.

CAMPUS: Wir sind gespannt auf den neuen Präsidenten – aber auch neugierig auf Walter Bauer-Wabnegg. Wenn Sie sich selbst in drei Sätzen beschreiben müssten, was wäre Ihnen am wichtigsten zu sagen?

Walter Bauer-Wabnegg: Das könnten wir doch am besten in einer Schweigemeditation des Exerzitienwerks klären...

 

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Zur Person:
Professor Dr. Walter Bauer-Wabnegg wurde 1954 in Straubing geboren und studierte Sprach- und Literaturwissenschaften, Theologie und Philosophie. Sein Promotionsstudium schloss er 1985 mit der Promotion zum Dr. phil. ab. Nach Verlags- und PR-Tätigkeit war er von 1989 an zunächst freiberuflich, dann mit eigener Agentur als Medien- und Kommunikationsgestalter tätig. Seit 1997 lehrt er an der Fakultät Medien der Bauhaus-Universität Weimar, an die er 1997 als Vertretungsprofessor, 1999 als Universitätsprofessor für Multimediales Erzählen berufen wurde. 2001 wurde er zum Rektor der Bauhaus-Universität Weimar gewählt und wechselte von dieser Position aus 2004 in das Kultusministerium des Freistaates Thüringen, wo er bis November 2009 als Staatssekretär für Wissenschaft und Kunst tätig war. Ihn zeichnet eine hervorragende Kenntnis der Thüringer Hochschullandschaft sowie Erfahrung in Hochschulleitungsfunktionen aus.

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