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Dienstag, 01 Juli 2014 13:01

Mit Trommelwirbel in die Selbstständigkeit. Stefan Räsch hat mit dem "SCHLAGHAUS" seinen Traum von der eigenen Trommelschule verwirklicht

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Foto: Marco Wicher Foto: Marco Wicher

"Hey, schön, dass ihr da seid, ich bin Stefan", begrüßt der junge Mann, lässig in den Türrahmen gelehnt, die ankommenden Besucher. T-Shirt, Jeans, Sneakers, die blonden Haare fallen locker ins Gesicht, ein sympathisches Lächeln – dieser Typ ist hier der Chef. Und für die nächsten vier Stunden Lehrer, Impulsgeber, Aufmerksamzuhörer und Mutmacher. Schlagzeug-Probestunden in Erfurts erstem "Schlaghaus", der Trommelschule von Stefan Räsch. Und während aus dem Obergeschoss schon erste vorsichtige Beats nach unten dringen, führt Räsch die Neuankömmlinge nach oben in den Proberaum. Drei Schlagzeuge, Cajon, afrikanische Trommeln und anderes Schlagwerk finden sich hier und die Versuchung, einmal die Finger darauf tanzen zu lassen, lässt nicht lange auf sich warten. Zum Glück müssen die Teilnehmer der Probestunde sich nicht lange gedulden. Jeder sucht sich einen Platz, man sagt sich "Hallo" und schon geht’s los. Ohne lange Theorie, ohne Blabla. Zunächst mit den Händen auf den Oberschenkeln, bevor es wirklich ans Schlagzeug geht. Rechts zwei, links einen, Arme locker lassen und wieder rechts, links – eine ganze Weile geht das so, bis die Handinnenflächen kribbeln und der Oberschenkel andeutet, dass er sich morgen an diesen Nachmittag erinnern wird. Aber es macht wirklich Laune, auch, wenn manch ein Teilnehmer zwischendurch aus dem Rhythmus kommt. Die Gruppe ist klein, Stefan Räsch kann sich für jeden Zeit nehmen und es gibt viel zu lachen. Denn, was scheinbar so leicht ist, entpuppt sich für Laien ziemlich schnell als echte Konzentrationsübung…

"Musik, das war schon immer mein Ding", sagt Stefan Räsch. Und sie anderen vermitteln, den Spaß daran weitergeben – das wollte er irgendwie auch. Für seine Studienwahl musste der gebürtige Erfurter deshalb auch nicht lange überlegen. Also schrieb er sich für Erziehungswissenschaft und Musikerziehung an der Universität Erfurt ein, 2013 machte er seinen Bachelor-Abschluss. Und legte damit den Grundstein für seine berufliche Zukunft. Stefan machte "sein eigenes Ding" und eröffnete das "Schlaghaus", seine Trommelschule mitten in der Stadt. Seither ist er Inhaber, Manager und Lehrer in einer Person. Wer zu ihm kommt, will spielen – Schlagzeug und Percussions. "Ich bin in Erfurt geboren und aufgewachsen. Es stand für mich auch nie zur Debatte, meine Heimat dauerhaft zu verlassen. Und an der Universität Erfurt fand ich zudem die passenden Studiengänge, um meine berufliche Zukunft auch akademisch zu untermauern." Von seinem Studium profitiert Stefan bis heute: "Ich zehre vor allem von meinen an der Uni erworbenen Kenntnissen der Unterrichtstheorie und –praxis. Im Musikpädagogikstudium konnte ich meinen Blick auf die Methodik und Didaktik, besonders bei der Arbeit mit Gruppen, schärfen und hatte die Möglichkeit, meine instrumentalen Fähigkeiten an Klavier, Gitarre und im Gesang auszubauen. Das bereichert meinen Unterricht heute sehr. Zudem haben mir besonders die Veranstaltungen aus dem Modul Erwachsenenbildung geholfen, als Dozent im Bereich der rhythmisch-musikalischen Weiterbildung für Musikschullehrkräfte, Lehrer an allgemeinbildenden Schulen, aber auch für Erzieher erfolgreich zu sein." Räschs "Schlaghaus" ist Erfurts erste und einzige Musikschule, die sich ausschließlich auf Schlaginstrumente, von Drumset bis zur Djembe, spezialisiert hat. Das Unterrichtsangebot ist vielseitig und richtet sich an Kinder ab drei Jahre, Jugendliche, Erwachsene und Senioren. Darüber hinaus bietet die Trommelschule Workshops für Schulen, Kindertagesstätten und sonstige pädagogische Einrichtungen an sowie Teambuilding-Maßnahmen und Events für Unternehmen. "Unterricht von der Stange", sagt Räsch, "gibt’s bei uns nicht. Wir schneiden die Kurse immer auf die individuellen Bedürfnisse bzw. Anforderungen der jeweiligen Teilnehmer zu und achten dabei ganz besonders darauf, dass die Freude am Spielen und die Motivation zum Lernen nicht vergehen. Denn davon hängt der Lernfortschritt ja auch erheblich ab."

Räsch ist davon überzeugt, dass die intensive Beschäftigung mit Musik und das aktive Musizieren von nachhaltigem Wert für die Gesellschaft sind und die individuellen sozialen, bereichsübergreifenden und fachlichen Kompetenzen jedes Menschen fördern. Ausgehend von diesem Grundsatz bietet seine Musikschule Menschen aller Altersklassen und jedweder Herkunft die Möglichkeit, Musik als Teil ihres Lebens zu erfahren. "Wir stehen jedem Schüler begleitend zur Seite, wenn es darum geht, seinen ganz eigenen Zugang zur Musik zu finden – ob nun als Teil der Freizeitgestaltung oder zur Vorbereitung auf ein Musik-Studium und den Beruf eines professionellen Musikers. Gleichzeitig möchten wir unseren Schülern unsere Begeisterung für dieses Instrumentarium vermitteln und sie mit ihnen teilen. Dabei sind wir uns über den musikalischen Bildungsauftrag hinaus auch unseres Erziehungsauftrages bewusst: Wir möchten Vorbild sein und eine Kultur der gesellschaftlichen Toleranz und gegenseitigen Rücksichtnahme leben."

Dass die Musik die Kraft hat, dies zu vermitteln, weiß Stefan Räsch aus eigener Erfahrung. Als aktiver Live-Musiker spielt er in mehreren Thüringer Bands, für Konzerte und Tourneen reiste er durch ganz Deutschland. Seinen ersten Lehrauftrag für Schlagzeug erhielt er 2002 von einem Erfurter Orchester, fü̈r das er Trommler und Schlagzeuger ausbildete. Von 2007 bis Anfang 2014 unterrichtete er zudem an der Musikschule Alexander Blume in Eisenach in den Fächern Schlagzeug und Percussion. Derzeit begleitet er knapp 100 Schü̈ler zwischen 4 und 61 Jahren auf ihrem musikalischen Weg. Räsch ist Autor der conmusica Schlagzeugschule "Power of Rhythm", Seminarleiter fü̈r verschiedene rhythmuspädagogische Weiterbildungen für Musikschullehrer, Lehrer an allgemeinbildenden Schulen, Erzieher und sonstige Pädagogen mit Schwerpunkt Gruppenunterricht der Firma conmusica sowie des AWO-Bildungswerks Thüringen und hat in Erfurt und Umgebung mehrere musikpädagogische Projekte für Schüler initiiert. In seinem Schlaghaus wird er unter anderem von Mbaye Mbengue unterstützt, seiner Lehrkraft für den "Sound of Africa". Mbengue kommt aus dem Senegal und spielt seit seiner Kindheit Trommel in der Gruppe Africa Djembe. Im Unterricht vermittelt er die Klänge seiner Heimat ─ traditionelle westafrikanische Rhythmen. "Mir ist es wichtig, dass der Unterricht vor allem Spaß bereitet, dass die Teilnehmer lernen, Gefühle auszudrücken, den Geist zu befreien und die Kraft zu spüren, die sich durch das Trommeln entwickelt. Die musikalische Vorbildung spielt dabei keine  Rolle." Auch Sabine Neues lehrt im Schlaghaus von Stefan Räsch. Die Absolventin der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar betreut hier die "RhythmKids" und wirkt seit vielen Jahren in unterschiedlichsten Bands und Ensembles mit.

"Die Musik ist es, was uns alle verbindet – egal wie unterschiedlich wir sind", sagt Räsch. "Dass ich mit dem Schlaghaus meine Leidenschaft zum Beruf machen konnte, ist für mich persönlich ein großes Glück. Und wenn es mir gelingt, auch andere mit dieser Leidenschaft anzustecken, ist die Entscheidung, mich mit der Musikvermittlung selbstständig zu machen doch das Beste, was mir passieren konnte."

(Fotos: Marco Wicher)

Kontakt:
www.schlaghaus.de
Tel.: 0361/ 22 11 807
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