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Die heutige Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar zählte zu ihrem Bestand einmal ein Werk des für seine pornografischen Texte berüchtigten französischen Autors Marquis de Sade. In den alten Ausleihbüchern sind genau zwei Personen verzeichnet, die dieses Buch ausgeliehen haben. Der zweite von ihnen war Johann Wolfgang von Goethe. Mit ihm schließt die kurze Ausleihliste, denn seitdem ist das Buch verschollen. Nun kann spekuliert werden, was damit geschehen ist: Hat Goethe es schlicht behalten, weil er es einfach zu ansprechend fand? Hat er es vernichtet, weil er es zu anstößig fand? Oder ein Bibliothekar? Erfahren werden wir das heute wahrscheinlich kaum mehr. Aber das Verschwinden dieses "heißen" Werkes kann stellvertretend für den Umgang mit erotischer und pornografischer Literatur im Deutschland des 18. und 19. Jahrhunderts stehen, als Bücher und Schriften dieser Art beschlagnahmt, vernichtet und weggeschlossen, ihre Autoren und Verleger festgenommen und denunziert wurden. Dennoch wurden auch hierzulande im 18. Jahrhundert etwa 300 Werke – anonym oder pseudonym – verfasst, veröffentlicht, geschmuggelt und im Verborgenen gelesen. Genau mit diesem Teil sogenannter klandestiner, also heimlicher Literatur beschäftigt sich nun die Tagung "Deutsche Pornografie in der Aufklärung", die vom 21. bis 23. Oktober im Forschungszentrum Gotha der Universität Erfurt stattfindet – und eine Lücke in der Forschung ausfüllen möchte.

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