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Pilgern ist ein Prozess der Wandlung – begleitet von einem Gestaltungs- und Veränderungswillen, von schöpferischer Kraft, die im Alltag nicht selten verlorengegangen ist. Ursprünglich ist der Pilger ein Wanderer "in der Fremde", der sich aus religiösen Motiven heraus auf den Weg zu Pilger- oder Wallfahrtsorten macht. Doch längst hat das Pilgern auch die säkularen Lebensbereiche erreicht. Während die Kirchenbesuche und Teilnahmen an Gottesdiensten rückläufig sind, mischen sich auf Jakobsweg und Co. Protestanten und tief gläubige Katholiken auch mit Atheisten, die nicht pilgern, um ihrem Gott nahe zu sein, sondern weil sie auf der Suche nach einem Sinn, nach Tiefe oder einfach nach sich selbst sind. Pilgern ist Mode geworden. "Vielleicht hat das etwas damit zu tun, dass den Menschen in der westlichen Welt der Alltag nicht mehr ausreicht", überlegt Eberhard Tiefensee, Professor für Philosophie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt. "Alles ist technisch ausgereift, aber zu manchen Sachen haben wir einfach den Draht verloren. Unser Alltag macht uns nicht satt, wir bekommen Hunger und wissen nicht, wonach." Als Priester begleitet Tiefensee seit 25 Jahren regelmäßig Pilgergruppen auf ihrer Israel-Reise, zuletzt im Oktober kurz vor dem Semesterstart. Für seinen Glauben oder eine Auszeit vom Hier und Jetzt brauche er das selbst nicht, betont der Professor. Dass das Pilgern aber tatsächlich etwas mit dem Menschen macht, diese Erfahrung teilt auch er [...]

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